Rückblick: Sommertreff auf dem Hohenasperg am 02.07.2026
Pünktlich um 15:00 Uhr hallte der laute Befehl „Aufstellung zur Torwache in Dreierreihen!“ über den Vorplatz des Hohenasperg – und schon waren wir mittendrin in einer ganz besonderen Zeitreise.
Unser Rundgang über die „Schwäbische Bastille“, auch als „Demokratenbuckel“ bekannt, begann mit dem Offizier der Torwache Friedrich Wilhelm Beyhl im Jahr 1848. Nachdem wir uns ordnungsgemäß in Dreierreihen aufgestellt und die korrekte Antwort „Jawoll, Herr Offizier!“ verinnerlicht hatten, marschierten wir im Gleichschritt durch das imposante Eingangstor in den langen Zugangsbereich der Festung.
Dort erfuhren wir zunächst, wie früher eine Person bei geschlossenem Haupttor eingelassen wurde. Nachdem der Ablauf erklärt und unser Wissen sogar noch einmal abgefragt worden war, ging es weiter in die berühmten Kasematten des Hohenasperg. Diese beeindruckenden Gewölbe in der mächtigen Außenmauer dienten unter anderem als Vorratslager und boten den Gefangenen im Brandfall Schutz.
An den verschiedenen Stationen der Führung konnten wir bei traumhaftem Wetter die herrliche Aussicht genießen und gleichzeitig in die spannende Geschichte des Hohenasperg eintauchen. Wir hörten viel über Herzog Carl Eugen sowie über bekannte Gefangene wie Christian Friedrich Daniel Schubart, Joseph Süß Oppenheimer und den „Remstal-Rebellen“ Helmut Palmer. Besonders interessant war zu erfahren, weshalb sie hier inhaftiert wurden und welche Bedeutung ihre Schicksale bis heute haben.
Im Schubartturm besichtigten wir die originalgetreu nachgebildete Unterkunft Schubarts. Zwei kleine vergitterte Fenster, ein einfacher Ofen und die noch heute sichtbaren Ketten in der Wand machten eindrucksvoll deutlich, unter welchen Bedingungen Schubart hier zehn Jahre seines Lebens verbringen musste. Sich diese Lebensumstände vorzustellen, fiel wirklich nicht leicht.
Zurück an der mächtigen Außenmauer erfuhren wir Wissenswertes über die Schranzenäcker, die damals noch junge Eisenbahnlinie sowie über die in die Mauer eingemeißelten Wappen ehemaliger Studenten – jedes mit seiner eigenen Geschichte.
In den rund 70 Minuten wurde eindrucksvoll vermittelt, warum der Hohenasperg bis heute als Erinnerungsort für staatliche Unterdrückung sowie für den Kampf um politische Rechte, Freiheit und Demokratie gilt. Die Führung verband historische Fakten mit spannenden Anekdoten und ließ die Geschichte auf lebendige Weise wieder aufleben.
Nach so vielen interessanten Geschichten und Eindrücken ließen wir den Nachmittag ganz entspannt im Biergarten „Klein-Aspergle“ ausklingen.
Ein ganz besonderer Dank gilt Marius Hubel, der den Offizier Friedrich Wilhelm Beyhl mit großer Authentizität und viel Leidenschaft verkörperte. Mit seinem umfangreichen historischen Wissen und seiner mitreißenden Art machte er die Führung zu einem echten Erlebnis. Eines ist sicher: Beim nächsten Besuch auf dem Hohenasperg werden wir nicht nur viel zu erzählen haben – sondern uns garantiert auch noch an den Gleichschritt erinnern.
In der Galerie gibt es weitere Einblicke.

